Mittwoch, 15. Mai 2013

Eine Begegnung der dritten Art

Wer kennt sie nicht, die Mär vom ach so scheuen Reh, das bei der geringsten Witterung eines Menschen oder Hundes sein Heil in der Flucht sucht.

So steht es überall geschrieben und darauf hat man sich als Hundebesitzer auch eingestellt. Wer aber inmitten einer herrlichen und fast unberührten Natur lebt wie wir, der macht auch die Erfahrung, dass Rehe direkt bis an den Gartenzaun kommen, des Morgens ins Küchenfenster schauen und ruhig stehen bleiben, wenn man an in ihnen vorbei spaziert. Dies natürlich nur, weil Kiddy (größte Jägerin aller Zeiten) und Hazel vorsorglich im Wald angeleint werden und Huli und Josy dank fehlendem Jagdtrieb sowieso immer bei uns bleiben. So lebten wir in den vergangenen Jahren in friedlicher Koexistenz mit Wildtieren zusammen.

morgendlicher Blick aus dem Küchenfenster


Diese Idylle hat seit dem letzten Jahr einen Knacks bekommen, denn wir haben eine Rehgeiß in der Nachbarschaft, die sich, sobald sie ihre Kitze abgesetzt (geworfen) hat, zur Furie entwickelt. Und so geschah auch heute Nachmittag wieder das Unfaßbare - diese Geiß greift unsere Hunde an, in dem Fall Huli, die gemütlich ca. 20 Meter vor uns den Waldweg entlang dackelte. Das Reh taucht urplötzlich aus der Dickung auf, rennt auf Huli zu und attackiert sie mit ihren Vorderhufen und Kopfstössen, dass unsere sonst so mutige Huli bellend und aufjaulend in Panik zu uns flüchtet. Erst als Herrli laut schreiend und heftig gestikulierend auf sie zurennt, dreht sie ab und kehrt ins Unterholz zu ihren Kitzen zurück.

Exakt die gleiche Szenerie haben wir im letzten Jahr viermal erleben müssen, wobei sie es damals immer auf die süße Josy abgesehen hatte und die erste Attacke so dramatisch verlief, dass sie Josy seitlich rammte, mit einem Kopfstoß hoch durch die Luft schleuderte und sie noch ca. 100 Meter weit verfolgte.

Ich muß gestehen, dass ich beim ersten Mal so geschockt war von den Geschehnissen, dass ich gar nicht glauben konnte, was hier vor sich ging. Das sind doch vertauschte Rollen und was war das denn ???!!! geht es einem durch den Kopf.

Wir haben natürlich mit den ortsansässigen Jägern, mit denen wir gut befreundet sind, darüber gesprochen. Sie konnten zwar schon beobachten, dass Rehe ihre Kitze gegenüber Füchsen verteidigen, aber dass sie auch Hunde vor allem in Begleitung von Menschen attackieren, hatte noch keiner von ihnen erlebt. Es waren sich jedoch alle einig, dass eine Geiß mit solch ausgeprägtem Mutterinstinkt geschützt werden muß und daher auch nicht bejagt wird.

Für uns heißt das, in den nächsten Wochen wieder gut auf unsere Mäuse aufzupassen und das Revier der Furie zu meiden, ganz nach der Devise: Leben und leben lassen !!!

Fazit: Wilde Natur ist etwas Wunderschönes, kann aber auch sehr, sehr anstrengend sein. Drückt uns bitte die Daumen, dass nichts mehr passiert !

Kommentare:

  1. Puh, gefährliche Gegend bei euch! Aber andererseits ist es auch gut, dass Tiere noch stark ausgeprägte Mutter- und somit Schutzinstinkte haben. Wenn ich da in den ersten 2 Wochen unseres Wurfes an Jamie und Lucy denke, die haben auch mit allem ihren Wurf verteidigt. Und wie gesagt, man kann sich in der Zeit ja aus dem Weg gehen.

    Lg,
    Petra

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  2. Ja, liebe Petra, ich bin auch der Meinung, dass diese Schutzinstinkte etwas sehr positives sind und du wirst sie bald wieder live bei Lucy und Jamie erleben dürfen.

    Lg
    Monika

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