Samstag, 4. Januar 2014

Ch. Lorricbrook Bandleader - A class of its own

In meiner Begeisterung für die Erforschung des Whippet und seiner züchterischen Entwicklung in der Neuzeit, möchte ich heute erneut einen Rüden vorstellen, der die Rasse im europäischen Raum maßgeblich mit gestaltet und sehr positiv beeinflusst hat.

"Sonny" Lorricbrook Bandleader wurde am 06. Mai 1996 bei Max Magder (Lorricbrook Kennel) in Ontario, Kanada geboren und erlangte durch seine Besitzer Thomas Münch und Reinhard Seim, den erfolgreichen Züchtern der FlicFlac-Whippets einen Bekanntheitsgrad, der seinesgleichen sucht.

Lorricbrook Bandleader "Sonny" Copyright: Thomas Münch



Als ich ihn das erste Mal life auf einer Ausstellung gesehen hatte, wusste ich, das ist mein Typ Whippet und egal wo immer ich auf Whippets traf, die mir gefielen, stellte sich sehr schnell heraus, dass Sonny im Pedigree eine Rolle spielte. Seine Ausstrahlung und der sanfte Blick aus fast schwarzen Augen gingen mir nicht mehr aus dem Kopf und als wir 2007 in Österreich von einem Wurf nach ihm hörten, gab es kein Zögern, eine Hündin daraus zu nehmen und so sind wir überglücklich, mit Kiddy eine wunderschöne Tochter von Sonny bei uns zu wissen.

der seelenvolle Blick von Sonny und
zum Vergleich Kiddy, die Verwandschaft ist nicht zu leugnen!

Rein statistisch gesehen wurde Sonny, laut TWA, als Vater von 25 Würfen eingetragen und kam in den Jahren 1998 bis 2008 bei Züchtern in Deutschland, Frankreich, Österreich, Schweden und der Schweiz zum Einsatz.

Natürlich wünschte ich mir mehr zu erfahren und bat daher Herrn Münch, der seit 1995 auch als Whippetrichter sehr gefragt und international im Einsatz ist , mir Sonny's Geschichte zu erzählen und diese liest sich so interessant, dass ich sie gerne an meine Leser weitergebe:

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Spätestens mit dem Besuch des ersten Internationalen Whippetkongresses und der National Specialty des American Whippet Club in Burlington, Vermont (USA) 1996 war das Interesse an der Zuchtentwicklung in Nordamerika bei mir geweckt worden. Dort waren eben nicht ausschließlich die großen, langhalsigen, vorn zu steil und hinten zu stark gewinkelten Whippets zu sehen, die manch einer noch heute mit dem "amerikanischen" Whippet verbindet, sondern recht zahlreich auch jene, die sich ohne groß aufzufallen, in unseren europäischen Ringen zuhause gefühlt hätten.

Einer davon war der noch junge Ch. Sportingfields Jazz Fest: vielleicht 50 cm groß, jedoch mit enormer Ringpräsenz von seiner Züchterin und Besitzerin Debbie Butt vorgeführt und von tadelloser Anatomie. "Rory" besaß als Whippetrüde das, was züchterisch nur schwer zu erreichen ist: die harmonische Balance zwischen unbedingter Eleganz einerseits und Maskulinität auf der anderen Seite.

Im Jahr zuvor (1995) richtete Max Magder (Lorricbrook) die Whippets unserer lokalen Windhundausstellung in Darmstadt/D. Meine aus Schottland importierte Pencloe Dutch Amber gefiel ihm und wurde BOB.

Nach dem Richten wollte er mehr über sie erfahren und so berichtete ich ihm über Abstammung und Erfolge. Eher beiläufig erwähnte er, dass auch er eine Tochter des Crufts BIS Ch. Pencloe Dutch Gold besitze: Nevedith Justa Jigsaw betreue gerade ihren Wurf nach Sportingfields Jazz Fest! Mein Interesse war geweckt und schriftliche Korrespondenz folgte. Feuer und Flamme war ich allerdings erst nach dem oben erwähnten "Erstkontakt" mit Sportingfields Jazz Fest im folgenden Frühjahr.

Max Magder empfahl bei entsprechendem Interesse dringend, einen Rüden aus dem Wurf zu importieren, der der Rasse in Europa mehr geben würde, als eine Hündin. "Sonny" war einer der beiden kleineren Rüden in dem Wurf und Max hielt tatsächlich sein anfängliches Versprechen, ihn (und mehrere Geschwister) bis zur Geschlechtsreife bei sich zu behalten (er bewohnte damals außerhalb Torontos ein altes Farmhaus mit Nebengebäuden und - nach europäischen Maßstäben - riesigem Grundbesitz).

"Sonny" kam also dank der Großzügigkeit von Max Magder mit knapp 15 Monaten nach Deutschland.

Um es vorweg zu nehmen: Ausstellungen mochte er überhaupt gar nicht und zeigte sich dort nur selten von seiner besten Seite. Er vollendete seine deutschen Championate jedoch im Nu und auch die konservativsten Rassespezialisten aus Großbritannien waren begeistert: perfekte Größe und wie sein Vater Jazz Fest, elegant und dennoch maskulin.

Seine Vererberqualitäten zeigte er bereits im allerersten Wurf: FlicFlac Kiss of Love gründete eine Erfolgsgeschichte in Stefan Raghammars Zwinger ADAGIO in Schweden; sie beendete multiple Championate und war BIS Gewinnerin aller Rassen sowie TOP WHIPPET in Schweden.

Ihre Schwester FlicFlac Kiss of Gold vollendete als erste importierte Whippethündin überhaupt das britische Championat für ihre Besitzerin Morag Bolton-Lockhart.

Weitere erfolgreiche Nachkommen von "Sonny" sind in einer Vielzahl weiterer europäischer Länder und heute eigentlich überall zu finden. Stellvertretend für viele fallen mir spontan die Chs. Whipcat Fire Island und Faithful, MacBell's Driving Miss Daisy (u.a. Top Whippet in Schweden), Vendanges Tardives, Skyscraper, Salzo Maggiore und Violon d'Ingres du Sac à Malices, Adagio de Chojnaki, Edward of Gentle Mind, Forever Blue Bruce Willis und Brigitte Bardot ein.
Die jetzt nicht Genannten mögen mir bitte verzeihen !

Den vielleicht schönsten Wurf Sonny-Welpen sah ich bei Familie Somereder aus deren Angela Diamond Dream, einer Tochter von Ch. Nevedith Justa Jewel: jammerschade, dass einzig ein Rüde aus dieser Verbindung ausgestellt wurde.

Sonny war ein typischer Whippetrüde hier bei mir zuhause: viel anhänglicher und verschmuster als viele Hündinnen das zu sein pflegen. Mit großer Begeisterung war er natürlich beim Deckeinsatz bei der Sache; egal wie abweisend oder zickig die Hündin auch war: Keine blieb leer !

Alle heutigen FlicFlacs gehen auf Sonny und Ruby (Pencloe Dutch Amber) zurück. Mit großer Genugtuung darf ich auf den profunden und positiven Einfluss von Ch. Lorricbrook Bandleader zurückblicken. Gab es auch vor ihm schon Importe aus Nordamerika in Europa, so glaube ich dennoch, dass er es war, der manchen Skeptiker hierzulande schließlich doch überzeugen konnte.

Mein Dank gilt Max Magder (übrigens in Österreich geboren und als Kind noch vor dem II. Weltkrieg mit der Familie nach Kanada emigriert) für dessen Weitsicht und Freundschaft.

Thomas Münch
                                                                         ***

Mein Dank gilt Thomas Münch für diese ausführliche Schilderung, die die Bedeutung von "Sonny" in der heutigen Whippetzucht noch einmal hervorhebt und seinen Einfluss würdigt!

Nachsatz: Die Aussage, dass Sonny Ausstellungen nicht mochte, hat mich dann doch amüsiert und kam mir sehr bekannt vor, denn auch Kiddy hatte nach anfänglichen Erfolgen, keine Freude mehr im Ring zu laufen und überzeugte mich schlußendlich davon, lieber gemütlich zu Hause zu bleiben.





Kommentare:

  1. Vielen Dank für diesen interessanten Beitrag! Sonny war wirklich ein ganz toller Rüde. Wir sind stolz, dass unser Schoko so einen tollen Opa hat.
    LG und noch ein schönes langes Wochenende, Christina

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    1. Danke für das Kompliment Christina. Wir wünschen Euch auch ein schönes verlängertes Wochenende.
      LG Monika

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